Florian Neuhold im Gespräch (Teil 1) - "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen"

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  • Florian Neuhold im Gespräch (Teil 1) - "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen"

    Hier könnt ihr mein Interview mit einem der Stars von morgen lesen - Teil 2 folgt in Kürze!

    „FÜR MICH IST EIN TRAUM IN ERFÜLLUNG GEGANGEN“

    Der 18-jährige Youngster tuckert mit seiner Vespa pünktlich um 16:15 Uhr im Trainingszentrum Messendorf ein. Als er den Helm abgenommen und freundlich lächelnd die Hände geschüttelt hat, wird nach dem ersten Smalltalk schnell klar, dass man es mit einem auf Anhieb sympathischen, lässig-lockeren und bodenständigen jungen Mann zu tun hat. Da die Geschäftsstelle an diesem Feiertag geschlossen hat und auch die Tore vor der Kantine versperrt sind, verschlägt es uns zum nahe gelegenen Italiener.

    In einem ruhigen Hinterzimmer spricht der „Shooting-Star“ und Teamkapitän der U19-Nationalmannschaft, der nach nur einem Jahr bei den Amateuren den Sprung zu den Profis geschafft hat, über seinen rasanten Aufstieg und den verwirklichten Traum eines kleinen Jungen, der einst in Mariatrost dem runden Leder nachjagte, über die Lehren aus seinen ersten Profi-Einsätzen und darüber, was er sich von Vorzeigeprofi Milan Dudic abschauen kann. Über seine Förderer, den österreichischen Ausbildungsweg, seine tragende Rolle in der Nationalmannschaft und sein großes Ziel. Außerdem verriet er uns, wie ein Schicksalsschlag sein Leben veränderte. Dabei fällt vor allem auf, dass man einer in Anbetracht ihres Alters sehr reifen Persönlichkeit gegenüber sitzt.

    Teil eins: Der Newcomer über sein Profi-Debüt und seinen verwirklichten Traum, die Anfangsnervosität, das Vertrauen seines Trainers, Verbesserungsbedarf, Vorzeigeprofi Milan Dudic und seine tragende Rolle im Nationalteam

    Florian, als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, konntest du als 17jähriger Shooting-Star in der Amateurmannschaft höchstens von Pflichtspieleinsätzen bei den Profis träumen. Mittlerweile hast du 270 Bundesliga-Minuten, 180 Minuten Einsatzzeit im ÖFB-Cup und 90 Minuten in der UEFA Champions League Qualifikation zu Buche stehen. Hast du eigentlich schon realisiert, was sich in dieser Zeit getan hat?

    Es war für mich natürlich ein absoluter Wahnsinn, dass ich so schnell und so plötzlich in diese Mannschaft reingerückt bzw. zu Pflichtspielen gekommen bin. Ich habe versucht, mich durch gute Trainingsleistungen aufzudrängen. Als junger Spieler kann man nur auf seine Chance warten und wenn sie da ist, zeigen, was man drauf hat und sich profilieren. Das habe ich versucht. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Darüber bin ich sehr froh.

    Was ist dir durch den Kopf gegangen, als Franco Foda auf dich zugekommen ist und dir mitgeteilt hat, dass du erstmals in der Startformation stehst?

    Es war eineinhalb Stunden vor dem Spiel, wir haben gerade den Platz besichtigt. Beim Vormittagstraining hat sich der „Ferdl“ Feldhofer verletzt und es war zunächst nicht klar, ob ich oder der Milan (Dudic, Anm.d.Red.) spielen wird. Ich war natürlich schon nervös, aber ich habe mich einfach so vorbereitet, als würde ich spielen. Der Trainer ist dann zu mir gekommen und hat mir mitgeteilt, dass ich spiele und mir versichert, dass er an mich glaubt. Ich solle einfach das spielen, was ich trainiere und versuchen, in das Spiel reinzufinden, dann hätte er absolut keine Sorgen. Es ist wichtig, dass man das Vertrauen des Trainers spürt. Die Anfangsnervosität in der Kabine war groß, später beim Aufwärmen war es gar nicht mehr so schlimm. Aber wenn man beginnt, darüber nachzudenken, was alles passieren könnte, dann wird es schwierig. Als ich dann am Platz gestanden bin, habe ich versucht, den Kopf ein bisschen auszuschalten und die Zuschauer wegzublenden und einfach das zu tun, was ich kann, nämlich Fußball spielen. Ich glaube, es hat nicht so schlecht funktioniert.

    Und das noch dazu beim wichtigen Auswärtsspiel in der Champions League Qualifikation gegen den FC Zestafoni. Was war das für ein Gefühl, dort aufzulaufen?

    Wir haben ja gewusst, dass es ein riesiges Stadion ist, aber wir haben auch gewusst, dass nicht so viele Leute erwartet werden. Es hat dann so gewirkt, als wären weniger Zuseher im Stadion als tatsächlich, weil es eben so riesig ist. Aber auch wenn es „nur“ in Tiflis war und „nur“ der FC Zestafoni, es war für mich ein absoluter Wahnsinn. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen! Jeder kleine Junge, der in Mariatrost mit dem Fußballspielen beginnt, träumt davon, einmal in einer ersten Mannschaft zu spielen. Ich hab’s versucht. Dass es gleich in der Champions League Qualifikation geklappt hat, war natürlich ein Traum.

    Wenn du an deine ersten Einsätze in der Kampfmannschaft zurückdenkst, wo siehst du den größten Verbesserungsbedarf?

    Natürlich ist es klar, dass ich als 18-Jähriger noch nicht die Routine eines Milan Dudic habe, aber ich glaube, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich muss noch robuster werden und körperlich zulegen, das merke ich in den Zweikämpfen. Unser Experte, der Walter Niederkofler, gibt mir diesbezüglich super Tipps. Ganz wichtig ist das richtige taktische Verhalten, wo mir manchmal noch ein bisschen die Routine fehlt und vielleicht auch die Spielpraxis. Daran arbeite ich jeden Tag und ich versuche zudem, mir bei den routinierten Innenverteidigern einiges abzuschauen. Ich beobachte zum Beispiel im Training, wie sie sich bewegen oder wie sie stehen und versuche, mich so gut wie möglich anzupassen

    Wie viel kann man von einem Milan Dudic lernen?

    Der Milan hat unheimlich viel Erfahrung. Er weiß in Situationen einfach intuitiv aus der Erfahrung heraus, was zu tun ist. Er weiß zum Beispiel, in welchem Moment er den Schritt nach rechts macht, weil der Ball dort hingehen könnte. Das sind Dinge, die ich mir abschauen möchte. Auch von der Einstellung her ist er ein absolutes Vorbild, er ist ein Vollprofi durch und durch. Er arbeitet jede Sekunde auf dem Platz höchst professionell, da kann man als junger Spieler sehr viel lernen.

    Vor einem halben Jahr hatten dich wohl nicht viele Experten auf der Rechnung. Jemand, der fest an dich geglaubt hat, war Ex-Sportmanager Oliver Kreuzer. Beim letzten Interview hat er uns verraten, dass er große Stücke auf dich hält. Vor allem deine Performance im Winter-Trainingslager in der Türkei hat ihn schwer beeindruckt. Hättest du es selbst für möglich gehalten, dass du so schnell bei den Profis Fuß fassen kannst?

    Es war für mich ein wunderschönes Gefühl, mit der Kampfmannschaft mitfliegen zu dürfen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und versucht, mein Bestes zu geben Das ich dann so ein Trainingslager absolviert habe, war für mich unglaublich! Es war für mich das beste Trainingslager, das ich je gespielt habe. Dass der Herr Kreuzer hinter mir gestanden ist, habe ich gewusst. Er hat auch bei den damaligen Vertragsverhandlungen sehr gut über mich geredet. Es ist natürlich wichtig, Fürsprecher und Förderer zu haben. Auch der Didi Pegam hat gut mit mir gearbeitet, so wie die Akademietrainer. Es kommt nicht von ungefähr, dass Sturm so viele Talente hat. Im Nachwuchsbereich wird sehr professionell gearbeitet. Dass ich so schnell in die Erste gekommen bin, war für mich ein Wahnsinn. Andere warten vielleicht zwei oder drei Jahre auf diesen Sprung. Ich habe nach nur einem Jahr bei den Amateuren den nächsten Schritt geschafft. Jetzt gilt es aber nicht zufrieden zu sein, sondern hart weiterzuarbeiten und zu versuchen, irgendwann in den nächsten Jahren Stammspieler zu werden. Wenn der Trainer mich runterschickt bzw. Didi Pegam (Trainer der Amateure, Anm.d.Red.) mich braucht, dann helfe ich auch gerne bei den Amateuren aus.

    Dein Talent ist auch dem ÖFB nicht verborgen geblieben. Du hast schon einige Spiele in den Nachwuchsauswahlen bestritten, aktuell bist du sogar Kapitän der von Ex-Blacky Rupert Marko betreuten U19-Nationalmannschaft. Wie siehst du deine bisherige Teamkarriere?

    Sie hat steinig begonnen. Ich hatte mit meinem damaligen Trainer in der U-17 eine Meinungsverschiedenheit (der mittlerweile verstorbene Ernst Weber, Anm.d.Red.). Ich war dann ein halbes Jahr nicht dabei, ehe ich in der Qualifikation in Griechenland wieder gespielt habe. Dann ist der Schicksalsschlag mit unserem Trainer passiert, der verstorben ist. Rupert Marko wurde daraufhin mein neuer Trainer. Er setzt sehr auf mich und meine Qualitäten, vor allem mein Spielaufbau gefällt ihm sehr gut. Er hat mich dann auch zum Kapitän gemacht, was für mich eine unheimliche Ehre ist. Ich versuche immer, eine gewisse Präsenz am Platz zu haben und meine Mitspieler zu führen. Vor allem jene, die noch keinen Platz in einer Kampfmannschaft haben. Ich versuche, ihnen das Erwachsenenspiel näher zu bringen, weil es auf internationalem Niveau schon ruppiger wird. Das fehlt uns vielleicht manchmal noch, aber wir sind auf einem guten Weg und hoffen, dass wir ein gutes Los bekommen. Aber wir können jeden Gegner schlagen und deshalb mache ich mir keine Sorgen. Es freut mich, dass wir die erste Runde der EM-Quali geschafft haben und ich hoffe natürlich, dass wir im Frühjahr die nächste Runde schaffen und zur EM fahren, was für Österreich sehr toll wäre.

    Danke, Florian!

    Das Interview führte Dominik Jaklitsch mit freundlicher Unterstützung von Bernd Kronawetter.
    Das wichtigste Gebot
    Bleibt keinem etwas schuldig, abgesehen davon, daß ihr euch untereinander lieben sollt. Denn nur wer seine Mitmenschen liebt, der hat Gottes Gesetz erfüllt. Alle Gebote, die Gott Mose gegeben hat - wie zum Beispiel: «Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen ... » -, alle diese Gebote lassen sich in einem Satz zusammenfassen: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» Denn wer seinen Mitmenschen liebt, tut ihm nichts Böses. Deshalb ist die Liebe das Entscheidende an Gottes Gesetz. (Römer 13)