Kommentar: "Wenn Optimisten zu Träumern und Suderanten zu Realisten werden" von B. Pukl

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Kommentar: "Wenn Optimisten zu Träumern und Suderanten zu Realisten werden" von B. Pukl

    Wenn Optimisten zu Träumern und Suderanten zu Realisten werden

    Die Leistungen von Sturm Graz vegetieren momentan auf einem tiefen Niveau dahin, das es seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Auswärtsspiele werden mittlerweile als sichere Niederlagen gehandelt und Frust macht sich unter den Fans breit – ein berechtigter Frust, denn das was die Mannschaft unter Trainer Franco Foda momentan bietet, hat mit erstklassigem Fußball nichts zu tun. Die mannschaftlichen Leistungen in Spielen fern der Heimat lassen sich mit einem Wort sehr treffend zusammenfassen: Katastrophal!
    Es mangelt vor allem an spielerischen Akzenten, die immer öfter durch lange weite Bälle nach vorne ersetzt werden, die viel zu oft beim Gegner landen und kaum für Gefahr sorgen. Was ist aus dem schönen Kombinationsfußball geworden, den Sturm einst zeigte. Mit der Zunge schnalzend erinnert man sich an die Tage, als man Rapid mit 5:1 aus dem Hanappi- Stadion schoss, als Altach mit 6:0 wie selbstverständlich abgefertigt wurde und Mario Haas mit der Ferse Österreichs Tor des Jahrzehnts in das Tor der Violetten aus Wien Favoriten schupfte. Wehmütig erinnert man sich an diese Tage, als Spieler wie Säumel, Salmutter, Leitgeb, später Jantscher und Beichler die Bundesliga aufmischten – es ist beinahe so, als hätte man sich den Titel in der vergangenen Saison nie geholt, so enttäuscht ist man über das, was Sturm in dieser Herbstsaison leistete. Der Meisterteller verstaubt unbedeutend in einer dunklen Kammer, voll mit schwachen, schönen Erinnerung, die frühestens in einigen Jahren von Nostalgikern wieder herausgeholt und aufpoliert werden.

    Sturm ist nicht Sturm – Offensivaktionen bleiben meist ideenlos und werden nur nachlässig ohne Nachdruck durchgeführt. Zu definieren, was an spielerischen Elementen fehlt, sei den Analytikern überlassen, die wir in Österreich zur Genüge haben. Tiefer sollte man jedoch graben, um auf die Wurzeln der momentanen Krise zu kommen, die in der spielerischen Problematik wahrscheinlich nur einen weiteren Auswuchs haben. Der Mannschaft fehlt es an Selbstvertrauen – stur wird an taktischen vorgaben festgehalten, als wollte man über 90 Minuten ein 0:0 halten. Keinerlei Mut im Angriffsspiel sorgt dafür, den Gegner auch nur einmal zu überraschen und so wird die aktuelle Auswärtsmisere immer wieder prolongiert. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass Sturm über die gesamte Saison hinweg permanent Ausfälle wichtiger Spieler zu kompensieren hatte, was es einfach erschwert, endlich eine eingeschworene und eingespielte Truppe auf das Feld zu bringen. Genau das war bisher Franco Fodas Spezialität – er konnte die Gegner trotz vieler Ausfälle immer wieder überraschen und eine schlagkräftige Mannschaft auflaufen lassen.

    Der Countdown zur Winterpause läuft bereits und ein Ende dieses Fußballherbstes wird wohl von mehr Fans denn je herbeigesehnt – man hofft auf die Wintervorbereitung um im Frühjahr einen versöhnlichen Endspurt der Schwarzen sehen zu können. Niemand will sich ausmalen, was ein Überwintern dieser Krise bedeuten könnte – die Mittelmäßigkeit als das Maß aller Dinge ist in der Saison nach dem Titel zwar beinahe von ironischem Charakter, wird nach so einer Herbstsaison allerdings schön langsam realer als es uns lieb ist.
    Die Winterpause kann nun nicht mehr schnell genug kommen, denn für die letzten beiden Spiele ist ob der bisher gezeigten Leistungen nicht mehr viel zu erwarten. Die Austria und Ried zählen zu den spielerisch besten Mannschaften dieser Saison, von drei Punkten gegen eine dieser Mannschaften zu reden, ist reine Träumerei – Behauptungen über eine Leistungssteigerung hätten keine wahrnehmbare Grundlage. Ried ist zuhause zudem sehr stark und die Austria hingegen auswärts. Die Voraussetzungen könnten nicht schlechter sein – noch dazu hat man ein Spiel um die goldene Ananas zu absolvieren. Natürlich könnte ein Sieg gegen AEK Athen eine nette Siegesprämie bringen, aber warum soll es international besser aussehen können, als national. Man muss kein großer Pessimist sein, um zu befürchten, dass bis Weihnachten vielleicht sogar kein Punkt mehr erspielt werden kann. Die Winterpause wird einem Wundenlecken dienen, das Sturm seit Jahren nicht mehr erleben musste.

    Trainer Franco Foda sollte sich überlegen, was er mit dem SK Sturm Graz noch erreichen will. Er ist ohne Frage ein guter, wenn nicht sogar großartiger Trainer, er hat dem Verein viel gebracht – nicht zuletzt zwei Titel und einige internationale Turnierteilnahmen – aber jeder Trainer hat bei einer Mannschaft einen Zenit, der irgendwann überschritten wird. Foda hat in Österreich und auch international alles erreicht, was es für einen Trainer bei einem österreichischen Klub zu erreichen gibt – beinahe wäre es sogar eine Teilnahme an der Championsleague geworden, was in unseren Breiten das höchste aller Gefühle gelten muss. Diesbezüglich ist es auch in schweren Zeiten erlaubt, Dank auszusprechen, denn er hat Sturm damals in sportlicher Hinsicht gerettet. Die Winterpause wird für ihn zur Bewährungsprobe – ein Indikator, der anzeigt ob dieser Zenit überschritten wurde.

    Auch die schon etwas geschundenen Seelen der schwarz-weißen Fans brennen auf die Pause – das Sturm- Herz pumpt nur mehr Luft durch die brüchigen Venen und eine weitere Niederlage kann zu einem Dolchstoß werden – sowohl für die Mannschaft in der Tabelle als auch für die Fans, die bedingungslos zu ihrem Verein stehen und sich im Gegenzug etwas Begeisterung durch spielerische Highlights erwarten dürfen. Der SK Sturm Graz hat großartige Fans – trotz Leistungstief fanden gegen die Admira über 12000 Menschen den Weg nach Liebenau und standen ihrer Mannschaft bei einem mehr oder weniger verdienten 3:1- Sieg bei – über den Fanauftritt in Anderlecht, wird man noch in vielen Jahren zum Schwärmen kommen.
    Es darf durchaus geäußert werden, dass Sturm Graz seinen Fans etwas schuldig ist und zwar unbedingten Siegeswillen mit einem großen Maß an Begeisterung für den Fußball.

    Bernhard Pukl

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von pukl ()

  • pukl schrieb:

    Es darf durchaus geäußert werden, dass Sturm Graz seinen Fans etwas schuldig ist und zwar unbedingten Siegeswillen mit einem großen Maß an Begeisterung für den Fußball.


    Der treffende Abschluss eines großartigen Postings! :danke:

    Kommentare/Anmerkungen/Zusätze sind hier überflüssig, du hast eigentlich alles selber erledigt... (außer dein Bud Spencer-Avatar wiederherzustellen :P )